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Auswanderung

Auswandererorte1835 betrug die Zahl der deutschen Kolonisten und deren Angehörige in Lasinsk 610, in Huta 103, in Michalinow 185. Insgesamt lebten ca. 3400 deutsche Siedler im gesamten Gebiet Zagorow, die später bis auf 3800 anwuchs. Zum Ausklang des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Überbevölkerung sehr groß. Allein im Deutschen Reich war die Bevölkerung von 25 Millionen um  1800 über 41 Millionen um 1870 auf 65 Millionen im Jahr 1910 angewachsen. Hunderte von Burschen und Mädchen gingen im Frühjahr nach Deutschland zur Landarbeit. Es herrschte Armut infolge Missernten und Überbevölkerung. Zerstörung durch Kriege und mangelnde Arbeitsperspektiven, religiöse sowie politische, überwiegend jedoch wirtschaftliche Gründe waren ausschlaggebend in einer neuen Heimat das Glück zu suchen. Amerika, „ im Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ wurden dringend Arbeitskräfte gesucht . Und das goldene Amerika lockte: 1865 erschien in Amerika das Edikt, dass ein jeder 160 Morgen Land sein eigen nennen durfte also geschenkt erhielt, sofern er es 5 Jahre bewohnt und bebaut hatte. Mädchen, die in der russischen Heimat keine Schule besuchen durften, sondern zur Feld- und Hausarbeit herangezogen wurden, erhielten in Amerika eine geschlechtliche Gleichberechtigung und die Gelegenheit einen Schulabschluss zu machen. Dies alles hatte zur Folge dass in den 1880-er Jahren eine Massenauswanderung aus Ost- und Südost-Europa einsetzte und in den USA als New Immigration bezeichnet wird. Möglich wurde diese durch verkehrstechnische Errungenschaften vor allem durch den Ausbau der Bahnlinien und die Ablösung der Segel durch Dampfschiffe.

Auch in unserer Familie wanderten 1890 die ersten Glieges aus. Der 65 jährige August Gliege mit seiner 60 jährigen Frau Eva und der 22 jährigen Henryette Gliege landeten am 09. Mai 1890 in New York. Mit dem Dampfschiff  „Rhein“ brauchten sie nur 9 Tage für die Überfahrt, während nur wenige Jahre zuvor die Segelschiffe noch 7 Wochen unter katastrophalen Zuständen auf der oft stürmischen See unterwegs waren.

Zuvor warteten sie oft wochenlang in den Auswandererhäfen Bremen oder Hamburg auf den Erhalt ihrer Papiere oder die Abfahrt der oft unzuverlässigen Schiffe. Somit wurden sie Opfer von gerissenen Herbergswirten, Händlern oder Schleppern, die die Auswanderer ausplünderten bevor sie den alten Kontinent verlassen konnten.

Das Hafenviertel St. Pauli wurde als Auswandererfalle berüchtigt. Die Zustände in den überfüllten Logierhäusern waren selbst für damalige Verhältnisse erschreckend und vor allem gefährlich. Im Sommer 1892 brach im Hamburger Hafen die asiatische Cholera aus, eine Epidemie mit fast 10.000 Toten. Ein Alptraum für Europa und die USA, die daraufhin ihre Einreisebestimmungen verschärfte. Die Grenzkontrollen zwischen Preussen und Russland wurden verschärft. Auswanderern wurde die Einreise nach Preussen nur gestattet, wenn keine gesundheitlichen Bedenken bestanden. Außerdem mussten sie im Besitz einer Eisenbahn-Fahrbahnkarte nach Hamburg oder Bremen und einer Schiffsfahrkarte sein. Zu Berücksichtigen war weiterhin die Mitnahme von 25 amerikanischen Dollar pro Person als Einlass in New York. 1907 wollte mein Grossvater Daniel Gliege zusammen mit seinen Brüdern Emanuel über Hamburg, August und dessen junger Braut Alvina Kinast über Bremen nach New York und weiter nach Chicago auswandern, so wie es 1 Jahr zuvor bereits Emanuel Gliege aus der Johann Linie vollbrachte. 1907 kostete die Schiffahrt Deutschland – New York  im Zwischendeck 130-160 Mark. Ein Handwerker verdiente zu dieser Zeit ca. 6 Mark/ Tag. Die Löhne in Osteuropa waren jedoch um ein vielfaches geringer, so dass unsere Stammväter lange sparen und alles verkaufen mussten was sie besaßen. 

Nach langer Bahnfahrt in einem der Auswanderer-Bahnhöfe angekommen, finden sie Quartier in einer der zwischenzeitlich in den Häfen errichteten Auswandererhallen. Jeder Ankömmling muss sich in der Eingangshalle einer Personalienkontrolle und einer ersten Gesundheitsuntersuchung unterwerfen. Die Anlage besteht aus einer unreinen und einer reinen Seite. Nach Desinfektion und ärztlichen Untersuchung gelangt man auf die reine Seite. 

Musste unser erster Auswanderer August Gliege 1890 noch in einem der 10 Schlafsäle mit 1400 Personen ausharren, konnten 1907 und in den späteren Jahren die Glieges von den stark verbesserten Bedingungen profitieren. Der Aufenthalt in den Hamburger Auswandererhallen „Auf der Veddel“ kostet zu dieser Zeit 5 Mark pro Person täglich, für Bedürftige gratis. Das Essen war reichlich, 3000 Portionen konnten binnen 1 Stunde ausgegeben werden.

FreiheitsstatueEllis_Island_1Das Schiff „Amerika“ legte am 09.05.1907 in Hamburg ab, leider ohne meinen Großvater Daniel. Er litt an der damaligen Augenkrankheit Trachoma und durfte nicht mit aus Schiff. Traurig und verzweifelt trat er die Heimreise nach Russland an, wohlwissend in eine ungewisse Zukunft zu fahren.

Sein Bruder dagegen, wie auch alle anderen danach ausgewanderten Glieges durften unter den Musikklängen einer Blaskapelle endlich das wartende Dampfschiff betreten. Die Zwischendeckunterkünfte in den Schiffen waren immer noch beengt und man durfte nur zu bestimmten Zeiten das Oberdeck betreten um Luft zu schnappen. Dies war den Reisenden der 1. und 2., sowie 3. Klasse bevorzugt zugestanden. Der Klassenunterschied war damals gravierend. Der Anblick der Freiheitsstatue war für die meisten Auswanderer ein bewegender Moment. Viele erinnern sich ein Leben lang an diesen Augenblick, der das Ende einer strapaziösen Überfahrt und den Beginn eines neuen Lebens markierte.

Sie alle nahmen ungeheure Strapazen auf sich. Vor ihnen lag eine ungewisse Zukunft in einem Land, dessen Sprache sie nicht beherrschten, dass ihnen jedoch die Freiheit versprach. 

Ellis_Island_2Noch heute kann man auf der kleinen Insel Ellis Island vor New York diese Einwandererhallen besichtigen. Eine große Ausstellung berichtet ausführlich über die damaligen Verhältnisse. Für Familienforscher gibt es eine computergestützte Recherche, die man auch per Internet beziehen kann. ->Ellis Island Foundtion 

12 Millionen Einwanderer sind durch die "Goldenen Tore der Insel " nach Amerika eingewandert. Die Hälfte der heutigen Einwohner Amerikas stammen von diesem Familien ab.

 

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